Wie kann euer Protest aussehen?

Idealerweise findet ihr, sobald ihr für euch beschlossen habt, dass ihr euch gegen das bestehende Schulsystem auflehnen und für eine neue Schule einsetzen wollt, ein paar Mitstreiter an eurer Schule.

Ihr könnt die Materialien von den Schoolrebels nutzen, um dann weitere Mitschüler zu informieren. Verteilt den Kram am besten über eure Facebook-, Instagram-, Whatsapp- oder Snapchat-Kontakte.

Vielleicht findet ihr dann Lehrer, die Lust haben, gemeinsam mit euch die Dinge in Bewegung zu bringen. Lehrer, die eh schon versuchen, euch in ihrem Unterricht mehr Raum für selbstbestimmtes Arbeiten zu geben, zum Beispiel.

Besprecht eure Vorhaben mit euren Eltern und versucht, sie an eure Seite zu holen. Aber vergesst nicht: Viele Eltern machen sich panische Sorgen um die Zukunft ihrer Kinder. Sie haben gelernt, dass es oft schlecht für einen selbst ist, sich aufzulehnen, und sie haben Angst. Prüft euch selbst, ob ihr mit dieser Angst mitgehen oder euren eigenen Weg riskieren wollt.

Ganz wichtig: Gandhi ist das beste Vorbild für friedliche Revolution. Krieg ist für den Arsch, deshalb sollte euer Protest konsequent freundlich und friedlich sein. Es geht ja schließlich darum, die Schule zu einem schönen, lebendigen Ort zu machen, an dem sich alle wohlfühlen.

Holt so viele andere Schüler, Lehrer und Eltern ins Boot wie möglich – und bloß kein Machtgerangel in eurer Protestorganisation: das ist total kontraproduktiv. Liebe Egomanen und Leute, die einen solchen Protest nur nutzen wollen, weil sie keinen Bock auf Schule haben: Nutzt das Engagement doch einfach, um zu zeigen, dass ihr die nötige Reife habt, wirklich eigenverantwortlich euren eigenen Bildungsweg zu gehen. Kindischer Protest ist ein Zeichen für das Gegenteil.

Ihr könntet Vorschläge sammeln, wie sich eure Schule verändern soll, und ganz konkrete Maßnahmen einfordern – zum Beispiel, indem ihr Plakate macht und auf dem Schulhof einen Infostand einrichtet.

Ihr könntet Delegationen auf Elternabende schicken, um die Eltern von der Notwendigkeit einer Veränderung zu überzeugen und sie bitten, sich ebenfalls dafür einzusetzen.

Wenn ihr eure grundsätzlichen Forderungen überlegt und zu Papier gebracht habt, ist es spätestens Zeit, sich an die Schulleitung zu wenden. Erklärt eurem Direktor oder eurer Direktorin, dass für euch Schluss ist mit dem alten System und ihr darauf besteht, dass sich eure Schule erneuert. Wir stellen eine Liste mit guten Weiterbildungsmöglichkeiten für Lehrer zusammen. Auch bei „Schule im Aufbruch“ kann sich die Schulleitung viel Input holen.

Erst, wenn ihr ernsthaft und eine ganze Weile versucht habt, euch Gehör zu verschaffen und Verbündete zu finden, echte Überzeugungsarbeit zu leisten – und das alles nichts gebracht hat, solltet ihr ernstere Methoden in Betracht ziehen. Je nachdem, wie groß eure Bewegung schon geworden ist, gibt es das Mittel des Streiks. Hier ist unklar, wie die Rechtslage ist: Geht das Grundrecht auf Meinungs- und Versammlungsfreiheit vor oder die Schulpflicht? Wenn ihr nur zwei, drei Leute seid, ist das natürlich schwierig. Wenn ihr 50 oder mehr seid, macht das vielleicht schon mehr Sinn. Auf unserer Seite „Schülerrechte“ erfahrt ihr mehr über eure Möglichkeiten. Da Kinder und Jugendliche in diesem Land sehr leicht unterdrückt werden können, müsst ihr euch bitte vorher klar machen, dass ihr eventuell mit Strafen zu rechnen habt, die auch sehr unangenehm werden können.

Bitte kontaktiert uns unbedingt, wenn sich unschöne Auseinandersetzungen abzeichnen. Auch wenn ihr erst mal nichts erreicht: Bitte resigniert nicht und gebt auch nicht auf. Viele neue Bewegungen brauchen Zeit. Seid einfach stolz auf euch, weil ihr den Mut habt, die Welt zum Besseren verändern zu wollen! Wenn es ganz oll ist: Letztlich ist häufig auch ein Wechsel an eine andere, bessere Schule eine Möglichkeit.